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An Peinlichkeit nicht zu überbieten!

Aktualisiert: 18. März

Saarländer, die für den reichsunabhängigen Saarstaat stehen, betitelt die Saarbrücker Zeitung als „Reichsbürger“

Am vergangenen Sonntag war Kim K. von der Sammelbewegung Freies Saarland Gastredner bei der Demo der Roten Linie in Saarbrücken. Laura Weidig, Volontärin der SZ, die bereits bei vorausgehenden Veranstaltungen Rednerbeiträge inhaltlich verzerrt kommentierte, setzte mit ihrem aktuellen Beitrag einen neuen Glanzpunkt ihres Schaffens, der an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist. Die Germanistin und Kulturwissenschaftlerin teilt heute sicherlich das schwierige Los vieler Journalisten, als freie Mitarbeiterin nur sporadisch und unter großem Druck Artikel verfassen zu können, die zudem noch den Anforderungen des Auftraggebers gerecht werden müssen. Dennoch schießt die reißerische und unsachliche Berichterstattung auf Kosten besorgter Bürger deutlich über das Ziel hinaus. Auch unter enormem Zeitdruck sollte journalistischer Arbeit ein Mindestmaß an Recherche zugrunde liegen, besonders wenn – wie in diesem Fall – der Sachverstand fehlt.


Bereits Ende Januar dieses Jahres fiel Weidig mit ihrem Artikel „In der Bannmeile: Unangemeldeter Protest vor dem Saarbrücker Landtag“ negativ auf, indem sie der Polizei Aussagen über die Protestteilnehmer andichtete. Damals behauptete Weidig, „laut Polizei“ wären bei der Versammlung „Reichsbürger“ und „Neonazis“ gesehen worden, und: Der Aufruf zur Versammlung deute auf „rechtsradikale“ Hintermänner hin und enthalte eine „verschwörungstheoretische, antisemitische“ Symbolik. Eine entsprechende Nachfrage der Roten Linie bei der Polizeidirektion Saarbrücken ergab Erstaunliches: Polizeirat Geyer zeigte sich äußerst verwundert über die Behauptung der SZ-Haltungsjournalistin, es wären „laut Polizei“ „Reichsbürger und Neonazis“ identifiziert worden. Er könne für diese Behauptung „den Bezug zur Polizei nicht nachvollziehen“. Und auch im offiziellen Pressebericht der Polizei tauchten diese Zuschreibungen nirgendwo auf.


In ihrem jüngsten Artikel schrieb Weidig nun:


„Mit der Behauptung, man richte sich gegen eine einrichtungsbezogene Impfpflicht, versuchten die Veranstalter lange, ihren Protesten durch die Themensetzung einen rationalen, gemäßigten Anstrich zu verpassen. Die vorgetragenen Inhalte spiegeln das nur bedingt wider. So wurden auf der Demonstration am Sonntag unter anderem Verschwörungserzählungen und Reichsbürgerinhalte verbreitet.“


Unterstellt sie dem Veranstalter mit der Wortwahl „gemäßigtem Anstrich“ einen radikalen Hintergrund? Sind nicht vielmehr ihre Berichte Verschwörungserzählungen, konstruiert durch Zitate, die aus dem Kontext gerissen oder verkürzt wiedergegeben wurden?


Alleine der aktuelle Titel ist ein Kunstgriff, auf den man erst einmal kommen muss! Der Redner warb für ein eigenverantwortliches Leben in den Gemeinden und echte Demokratie von unten nach oben. Daraus in der Überschrift Reichsbürgerideen zu machen, zeugt von großer Unkenntnis, wenn man Laura W. keine böse Absicht unterstellt. Die von ihr hervorgehobene Aussage des Redners „Der Saarstaat wurde nie abgeschafft“ lässt sich sogar durch die jetzige saarländische Verfassung belegen, wo das Saarland explizit als Rechtsstaat in der Bundesrepublik definiert wird. Selbst die BILD-Zeitung kann hier bessere historische Kenntnisse als die SZ vorweisen, indem sie am gleichen Tag wie Weidigs Artikel im Teil „Saarland – Wissen, was los ist“ ihre Publikation „Unsere Verfassung feiert 75. am Kiosk“ vorstellte.

Eine von Weidig nur verkürzt wiedergegebene Aussage von Kim K. über die BRD lautete in voller Länge: „Heute wird ersichtlicher denn je, dass die BRD kein souveränes Land ist, sondern nur der Wurmfortsatz der USA, der amerikanische Interessen und die Interessen von Großkonzernen gegen uns alle durchsetzt.“ Kann es sein, dass die Gesamtaussage nicht in den Rahmen der SZ-Verschwörungserzählung gepasst hätte?


Eine dazugehörige Erklärung im Konjunktiv als eine Forderung im Indikativ wiederzugeben ist ebenfalls nicht als ein kleiner Fauxpas zu werten: Kim K. forderte keine besseren Beziehungen zu Russland, sondern sagte: „Wir hätten in einem souveränen Land bessere Beziehungen mit Russland und kein fremdes Militär im Land.“


Der vom Redner erwähnte Sanktionskrieg, der uns Deutschen ganz offensichtlich mehr als Russland schadet, wird von Frau Weidig als „Protest-Szene-typische Propaganda“ bezeichnet. Wie soll der Leser diese Aussage verstehen? Sind die exorbitanten, sanktionsbedingten Preissteigerungen in Deutschland nun ein Fakt, der sich auf den Geldbeutel jedes Bürgers auswirkt, oder nur Propaganda?


Zwar zitiert die SZ-Volontärin die Website der Sammelbewegung Freies Saarland mit: „Ein Referendum für einen Anschluss an die BRD hat es nie gegeben, sodass wir seit über 65 Jahren ein illegaler Bestandteil der BRD sind“, doch verwechselt sie offensichtlich Fakten und Verschwörungserzählung. Die von Kim K. im Zusammenhang mit dem fehlenden Referendum erwähnte Volksbefragung entschied nur über ein Wirtschaftsabkommen und nicht über die Landeszugehörigkeit, obwohl dies laut Grundgesetzt erforderlich gewesen wäre [GG Art. 29 (5)]. Insofern müsste Laura W. die BRD-Regierenden ebenfalls als Verschwörungsideologen anprangern, wenn diese wahrheitsgemäß schreiben: „Insbesondere von (west-)deutscher Seite wurde der Ausgang des Plebiszits als saarländisches Votum für einen dauerhaften Verbleib bei Deutschland und damit für einen unmittelbaren Beitritt zur Bundesrepublik gewertet“? [saarland.de]


Wir glauben, Frau Weidig hätte es besser gekonnt. Wer, wie sie, Kultur- und Mediengeschichte studiert hat, sollte es einfach besser wissen. Eine 2-minütige-Recherche oder ein kurzes Gespräch mit uns hätten bereits genügt, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Außerdem weisen wir darauf hin, dass die Meinung unseres Gastbeitrages sich weder in Teilen noch im vollen Umfang mit der Meinung des Veranstalters decken muss. Wir sind dankbar, dass die Rote Linie uns als Freie Saarländer zu Wort kommen ließ. Eine unserer Hauptaufgaben sehen wir darin, häufig falsch dargestellte Sachverhalte unserer Geschichte für alle Saarländer aufzuarbeiten. Wir bitten deshalb auch Laura Weidig und die SZ-Redaktion, mit uns in Dialog zu treten. Uns liegt nämlich viel daran, dass wir alle gemeinsam in eine gute Zukunft an der Saar gehen können. Ganz im Geiste von Graf Johann I., der genau vor 700 Jahren Saarbrücken und St. Johann die Freiheitsrechte verlieh, hoffen wir, dass auch die Saarbrücker Zeitung bald wieder mehr Geld und Zeit für echten, freiheitlichen Journalismus aufbringen kann.


Pressestelle Freies Saarland

Tel. 0174 / 7 13 92 81


Hier die erwähnten Berichte von Laura Weidig:

https://rp-sz-epaper.s4p-iapps.com/artikel/991075/24088059

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/protest-von-gegnern-der-corona-massnahmen-vor-landtag-in-saarbruecken_aid-65709929


Unsere Quellen:

https://www.saarland.de/landesarchiv/DE/materialien/_functions/tag_der_archive_folgen_internationale_nachverhandlungen.html https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_29.html (Grundgesetz Art. 29)

https://www.sadaba.de/GSLT_SVerf_060_085.html (SVerf, Art. 60)


Die Original-Rede

Der fehlende einleitende Satz der Rede war:

"Meine Damen und Herren – ich stehe heute hier vor Ihnen, weil ich nicht nur an ihre Vernunft appellieren, sondern viel wichtiger zu ihren Herzen sprechen möchte. Die Menschheit steht an einem Scheideweg, DESWEGEN müssen wir jetzt überlegen, wie wir sinnvoll handeln können und wie wir den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. Ich möchte folgende Worte vorausschicken, bevor ich hier in Fahrt komme: Wenn es Ihnen immer noch nur darum geht, dass alles weitergehen soll wie noch vor 4-5 Jahren, dann werden wir hier alle zugrunde gehen."




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